Bildungsmonitor 2014 darf über zahlreiche Probleme im Bildungsbereich nicht hinwegtäuschen

Astrid Rothe-Beinlich fordert mehr Qualität und bessere Rahmenbedingungen in der Bildung

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat in seinem Bildungsmonitor 2014 die Bildungssysteme der Bundesländer miteinander verglichen. Thüringen erreichte dabei laut Studie den zweiten Platz. So gebe Thüringen pro Schüler und Schülerin am meisten Geld aus. Außerdem liege das Land bei der Betreuung in Kindergärten und Schulen ganz vorn. Dazu erklärt Astrid Rothe-Beinlich, bildungspolitische Sprecherin der Thüringer Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

"Unsere frühkindlichen Bildungseinrichtungen und Schulen müssen sich im bundesweiten Vergleich gewiss nicht verstecken. Das ist lange bekannt. Der Neuigkeitswert des Bildungsmonitors 2014 ist also begrenzt. Allerdings nützt es wenig, sich auf solchen vermeintlichen Erfolgsmeldungen auszuruhen, denn leider stellen wir fest, dass die Realität viel zu oft eine andere ist. Pauschale Ländervergleiche helfen zudem wenig. So fehlen im Bereich der frühkindlichen Bildung fast flächendeckend Erzieherinnen und Erzieher. Wir fordern daher schon lange, dass es mehr Erzieherinnen und Erzieher gerade für unsere Kleinsten braucht. Dass sich Thüringen bei den Betreuungsrelationen im deutschlandweiten Vergleich nur im hinteren Mittelfeld wiederfindet, damit sollten wir uns nicht abfinden. Stattdessen sollten wir eine gute und verlässliche Personalsituation und eine qualitativ hochwertige Arbeit in den Kitas sicherstellen. Dazu brauchen wir auch mehr Ausbildungskapazitäten und vor allem mehr Erzieherinnen und Erzieher - die zudem auskömmlich bezahlt werden müssen."

Die bündnisgrüne Bildungspolitikerin weist zudem darauf hin, dass die Bildungsausgaben allein noch wenig über die konkrete Situation in den Ländern aussagen. So hat sich trotz steigender Bildungsausgaben in Thüringen, zum Beispiel die Situation der freien Schulen dramatisch verschlechtert.

"Diese stehen nach den wenigen Jahren Schwarz-Rot finanziell vor dem Aus. Das 2010 neugefasste Gesetz für Schulen in freier Trägerschaft ist vom Verfassungsgericht erst kürzlich für verfassungswidrig erklärt worden. Die Finanzhilfe des Landes entspricht einfach nicht den Grundsätzen der Existenzsicherung. Und auch die Ankündigung im Koalitionsvertrag, 2500 neue Lehrkräfte einzustellen, hielt der Realität kein ganzes Jahr stand. Stattdessen wurden deutlich weniger Lehrkräfte eingestellt, mit der Folge, dass der Altersdurchschnitt der Lehrkräfte kontinuierlich weiter steigt. Auch der Unterrichtsausfall blieb damit konstant auf einem hohen Niveau. Hinzu kommt, dass der lange angekündigte Vertretungspool für flexible Krankheitsvertretungen nicht umgesetzt wurde", erläutert Rothe-Beinlich weiter.

"Die Thüringer Bildungspolitik hat noch eine Menge Nachholbedarf. Insbesondere im Bereich der Inklusion werden wichtige Entscheidungen, wie über die Strukturen der LehrerInnenbildung zurückgestellt, an der zersplitterten Schulgesetzgebung in Thüringen wird weiterhin festgehalten und vermeintliche kostenintensive Maßnahmen wie der inklusive Schulumbau werden gar nicht erst angepackt. Ganz zu schweigen davon, dass dringend benötigtes sonderpädagogisches Personal nicht eingestellt wird. Hier braucht es endlich eine andere Politik und kein schwarz-roten Koalitionshickhack, der gute Bildung für Thüringen verhindert", so Rothe-Beinlich abschließend.

Meldung vom 19.08.2014