Aufruf - Vorfahrt für Qualität in der Bildung – 7 Gründe für gute Bildung ein Leben lang

Der Zugang zu guter Bildung und individueller Förderung ist das zentrale Gerechtigkeitsthema in der heutigen Zeit. Wir alle wissen: Bildung öffnet die Türen zur Welt. Doch nach wie vor hängt der individuelle Bildungserfolg viel zu stark davon ab, ob sich die Eltern gute Bildung leisten können. Für uns Bündnisgrüne ist klar: Es gibt ein Recht auf Bildung und dieses gilt für alle Kinder, egal woher sie kommen oder über wie viel Geld die Eltern verfügen. Und: Es ist normal, verschieden zu sein – das jedoch verlangt nach individueller Förderung. Schauen wir auf aktuelle Umfragen, sagt der Großteil der Befragten, dass Bildung eines der zentralen Themen für die Thüringer*innen ist – liegt hier doch auch einiges im Argen. Wir meinen, es ist höchste Zeit für gute Bildung für alle von Anfang an. Und deshalb werben wir mit diesem Aufruf um Vorfahrt für Qualität in der Bildung.

Astrid Rothe-Beinlich und Dirk Adams

1. Unsere Kindergärten und Kinderkrippen brauchen mehr Erzieher*innen – die Betreuungsschlüssel müssen dringend weiter verbessert und vereinfacht werden. Unser Ziel sind eine pädagogische Fachkraft für 10 Kinder zwischen 3 und 6 Jahre und eine für vier Kinder unter 3 Jahren. Es braucht mehr Zeit für jedes Kind, für Elternarbeit, für Vor- und Nachbereitung sowie multiprofessionelle Teams in allen Einrichtungen. Und wir wollen die praxisintegrierte Ausbildung flächendeckend etablieren und die Anerkennung und Wertschätzung der Erzieher*innen deutlich verbessern. Die Kindertagespflege gehört für uns als Angebot der familiennahen Betreuung selbstverständlich zu den Angeboten frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung. Hier wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern und auch Verbünde für bis zu 10 Kindern ermöglichen.

2. Wir wollen gute Schulen, die allen Kindern gerecht werden – egal in welcher Trägerschaft sie sich befinden. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll in diesen zum bestmöglichen Abschluss geführt werden. Um gute Schule gewährleisten zu können, braucht es mehr Lehrer*innen, mehr sonderpädagogischen Sach- und Fachverstand an allen Schulen, Schulsozialarbeit an jeder Schule und ein stimmiges Miteinander auch mit den Integrationshelfer*innen. Die Anzahl der Referendariatsplätze muss weiter erhöht und die Vertretungsreserve massiv aufgestockt werden. Zudem muss sichergestellt sein, dass alle Kinder zunächst die Sprache als Schlüssel zur Teilhabe erlernen und anwenden können. Kinder mit besonderen Förderbedarfen brauchen individuelle Förderung von Anfang an. Sie haben ein Recht darauf, gemeinsam in einer allgemeinbildenden Schule zu lernen, ihre Eltern können sich aber genauso gut auch für ein Förderzentrum entscheiden. Und gute Schule braucht Zeit mit Raum auch für schulbezogene Jugendarbeit, für Ganztagsangebote und für demokratisches Lernen sowie Mitbestimmung in der Gemeinschaft. An allen Schulen braucht es zudem eine frühzeitige und praxisnahe Berufsorientierung.

3. Die gleiche Bezahlung aller Lehrer*innen gleich welcher Schulart ist schon lange unser politisches Ziel. Deshalb stehen wir auch für die schulstufenbezogene Ausbildung, zumal diese einen effizienteren Einsatz der Lehrer*innen ermöglicht. Auch Grundschul- und Berufsschullehrer*innen sollen künftig wie Gymnasial- und Regelschullehrer*innen bezahlt werden.

4. Wir wollen faire Rahmenbedingungen auch für Schulen in freier Trägerschaft. Sie erfüllen ebenso den öffentlichen Bildungsauftrag wie unsere staatliche Schulen. Und für uns gilt der Grundsatz, dass uns jedes Kind gleich viel wert sein muss. Deshalb machen wir uns auch künftig für die auskömmliche Finanzierung aller Schulen stark.

5. Duale Ausbildung stärken – Berufsschulen auch und gerade für junge Geflüchtete öffnen. Wir wollen leistungsfähige, wohnortnahe und gut ausgestattete berufsbildende Schulen in Thüringen, nicht nur entlang der Städtekette. Berufsschulen gehören selbstverständlich flächendeckend in alle Teile Thüringens. Entscheidend ist weiter, die Personalsituation für den berufsbildenden Bereich zu verbessern.

6. Bildung ist das ganze Leben und die Erwachsenenbildung für uns die zentrale vierte Säule im Bildungssystem. Thüringen hat eine plurale Erwachsenenbildungslandschaft, die auch künftig einer verlässlichen Förderung bedarf und allen offen stehen muss. Besonders wichtig sind uns neben der politischen Bildung die Alphabetisierungs- und Integrationskurse und die Möglichkeit, Schulabschlüsse nachzuholen. Den von uns eingeführten Rechtsanspruch auf Bildungsfreistellung an fünf Tagen im Jahr wollen wir noch bekannter machen und für alle öffnen.

7. Demokratie- und menschenrechtsorientierte Bildung sind unseres Erachtens Aufgaben für die gesamte Gesellschaft – gerade in Zeiten von Hass und Hetze. Eine offene, pluralistische und demokratische Gesellschaft muss Tag für Tag aufs Neue erstritten und verteidigt werden. Deshalb wollen wir die politische Bildung grundlegend stärken und Demokratie auch in allen Bildungsinstitutionen erfahrbar machen.

Den Aufruf finden Sie hier.

Unterzeichner*innen

Astrid Rothe-Beinlich, Erfurt
Dirk Adams, Erfurt
Tino Gaßmann, Mühlhausen
Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt, Weimar
David Maicher, Erfurt
Bernd Schreier, Eisenach
Susanne Fink, Eisenach
Olaf E. Möller, Rödigen
Udo Cramet
Jana Dümmler
Gabriele Herrmann, Weimar
Beatrice Sauerbrey, Neumark
Anett Daniel
Andreas Leps, Weimar
Kai Philips, Erfurt
Astrid Kluge, Gera

veröffentlicht am 23.10.2019