Queere Geschichte in Ost und West

Regenbogenempfang der grünen Landtagsfraktion

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Für ein queeres Zentrum in Erfurt - beim Regenbogenempfang 2019

Bunt und vielfältig - so war der Regenbogenempfang 2019 der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag.

Nach der Eröffnung durch den Fraktionsvorsitzenden Dirk Adams und die gleichstellungspolitische Sprecherin Babette Pfefferlein begrüßte Astrid Rothe-Beinlich die vielen Gäste und führte durch die Vorträge und Gespräche des Abends – die sich um die Geschichte der queeren Szene von 1945 bis 1990 drehten.

30 Jahre nach der friedlichen Revolution wollte die Landtagsfraktion den Blick auf das Schicksal von Homosexuellen nach dem Nationalsozialismus in der DDR und der alten Bundesrepublik richten. Die Referentin Maria Bühner, Universität Leipzig und der Referent Dr. Benno Gammerl, FU Berlin und zur Zeit an der Universität London, waren sich einig über die Ausgrenzung, Verfolgung und Stigmatisierung von homosexuellen Menschen in beiden früheren deutschen Staaten.

Maria Bühners Interesse gilt in besonderer Weise der Geschichte von lesbischen Frauen in der DDR. Ein Nischenthema, was bisher kaum beachtet worden ist. Die Sichtbarmachung lesbischen Lebens und der Umgang damit in der Geschichte ist von besonderer Bedeutung. Ein Aufbau subkultureller Räume jedenfalls war nahezu unmöglich. Politischer Aktivismus existierte in der Öffentlichkeit kaum.

In der alten Bundesrepublik war queere Historie zunächst eine Geschichte der Verfolgung und Selbstbehauptung in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts, so Dr. Gammerl, der queere Geschichte in der Bundesrepublik ab 1945 erforscht. Während die 1970er Jahre eher für Emanzipation zwischen Erfolg und Scheitern standen, prägte die 1980er Jahre einerseits Restigmatisierung und andererseits eine Normalisierung.
Dr. Gammerl hat den ersten Lehrstuhl für Queere Geschichte überhaupt und hofft, dass sich die Forschung hierzu auch in Deutschland intensivieren wird. Ein Anstoß könnte die Reaktivierung der Hans-Holbein-Stiftung an der Universität Jena sein.

Danke an alle Referent*innen und Gäste für diesen tollen und gelungenen Abend und danke an alle Engagierten in der queeren Szene! Das war ein starkes Plädoyer für das Recht auf Selbstbestimmung. Zusammen mit Queerweg setzen wir uns für ein queeres Zentrum in Erfurt ein.

veröffentlicht am 28.08.2019


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